Probleme, Kummer, was soll ich tun?

Es gibt Zeiten, da möchte man sich für den Rest seines Lebens unter der Bettdecke verkriechen, weil einen die Ereignisse des Schicksals wegzufegen drohen. Es sind Zeiten der Krise. Es sind die Tage und Wochen, in denen die seelische Not so groß und die Verzweiflung so tief ist, dass jeder Funke von Hoffnung oder der Gedanke an eine bessere Zeit vollkommen unmöglich erscheint.

Wut, Schmerz und ein Gefühl quälender Ausweglosigkeit bestimmen den Tag, Trauer, Einsamkeit und Ohnmacht beherrschen die Nacht. Es ist die Trauer über eine verlorene Zukunft, über Träume und Pläne, die sich niemals erfüllen werden. Es ist der Schmerz zu erkennen, wie alles plötzlich seinen Sinn verliert, wie alles bedeutungslos wird, was einen bis anhin Sicherheit und Zuversicht gab. Ja, es ist auch die Einsicht, dass Gewohnheiten und Lebensstrategien völlig unbrauchbar und nutzlos geworden sind.

Und dann diese Ohnmacht. Die Ohnmacht gegenüber den Ereignissen, gegenüber dem Alltag. Am meisten aber die Ohnmacht gegenüber sich selbst. Man liegt vor sich selbst danieder, reglos, wie hingerichtet, unfähig etwas zu ändern, unfähig einen Sinn darin zu finden und über allem schwebt die ständig wiederkehrende Frage: Warum nur, warum.

Man kann nach der Ursache forschen

Jetzt kann man natürlich kausal logisch vorgehen und nach der Ursache forschen, wie man das beispielsweise nach einer Flugzeugkatastrophe macht. Was war der Grund und was hat zuvor schon alles dazu beigetragen, dass es überhaupt so weit kommen konnte? So erfährt die betrogene Ehefrau vielleicht, wie sie aus Angst verlassen zu werden, sich viel zu sehr an ihren Mann klammerte und ihn damit in die Arme einer Geliebten trieb. Sie erfährt auch, wie diese Angst gar nicht erst in ihrer Ehe begann, sondern schon in ihrer Kindheit angefangen hatte, weil ihr Vater damals die Familie zu verlassen drohte.

Diese historische Betrachtungsweise, diese Reise in die Vergangenheit und die Frage nach der Ursache ist das Gebiet der Psychotherapie. Sie ist eine klassische Therapieform, die sich großenteils aus der Psychoanalyse entwickelte und die davon ausgeht, man könne sich aus einengenden Gewohnheiten oder Verhaltensweisen lösen, sobald man sie nur durchschaue.

So durchleidet der Klient in den Therapiestunden noch einmal seine traumatischen Erlebnisse, seine dunklen Triebe, seine quälenden Träume oder schrecklichen Ängste, um sich dann von ihrem Einfluss endgültig befreien zu können. Da sich die Therapie vor allem mit den unerfreulichen und zerstörerischen Seiten des Klienten und seiner Vergangenheit befasst, eignet sie sich am besten bei Menschen mit Süchten, Zwangsgedanken, Depressionen oder destruktiven Verhaltensmustern. Bei Menschen also, die selbst den Eindruck haben seelisch krank zu sein oder, die von den Fachleuten dafür gehalten werden.

Auch bei Lebensläufen, die sich wie zu Großmutters Zeiten einfach abwickelten, wo der Sohn den Handwerksbetrieb seines Vaters übernahm und ein Mädchen aus der Nachbarschaft heiratete, weil ihr Vater der gleichen Zunft und Religionsgemeinschaft angehörte, da, wo sich alles, wie geordnet und vorgezeichnet abspult, da sind Lebensläufe aus ihrer Vergangenheit erklärbar.

Zu Großmutters Zeiten gab es eben hauptsächlich typische Lebensläufe. Lebensläufe ohne besondere Brüche, ohne Wendepunkte oder Neuanfänge. Bei solchen einfachen Lebenswegen reicht auch eine Therapieform wie die klassische Psychotherapie, die die gegenwärtigen Probleme an Hand der Vergangenheit verständlich machen kann, völlig aus.

Aber wie weit genügt eine solch mechanische Betrachtungsweise bei individuellen Biographien? Bei Biographien, die vom Typischen abweichen und sich so zu individualisieren beginnen, wie wir das eigentlich nur von Künstlerbiographien kennen. Gerade in dieser Beziehung scheinen ja die heutigen Lebensläufe mit ihren Krisen und Umbrüchen völlig außer Rand und Band zu geraten und sich gegen jeden typischen Ablauf zu wehren.

Wenn Gewohnheiten zur Zwangsjacke werden

Alle Fähigkeiten, alle Kompetenzen, alle Beziehungen, die man sich vielleicht einmal mit größter Mühe erarbeitet hat, werden durch den Alltagstrott irgendwann mal zur Gewohnheit, irgendwann mal typisch, irgendwann mal normal. Das heißt, sie beginnen sich zu verfestigen, sich zu verhärten und verlieren dadurch ihr Individuelles. Sie werden eng, wie ein Korsett, zu eng für irgendetwas Neues, etwas Individualistisches, etwas, das über das Gewohnte, über das Normale hinausführen könnte.

Und da kommt die Krise. Für den einen lautlos und schleichend, weil er die alltägliche Monotonie, die Langeweile, das ewig Gleiche in seinem Beruf, in seiner Ehe oder in seinem Freundeskreis nicht mehr aushält und daran verzweifelt. Für den anderen kommt sie wie der Blitz aus heiterem Himmel: Er gerät durch einen Unfall, eine Trennung, durch Arbeitslosigkeit oder sonst einen schweren Schicksalsschlag plötzlich in die Krise.

Das Leben ist einem zuwider

Ob nun schleichend oder plötzlich, bei näherer Betrachtung erscheint jede Krise, wie vom persönlichen Schicksal ausgeklügelt, wie auf die individuellen Verhältnisse des Betroffenen zugeschnitten. Auch wenn der Betroffene das in dieser Zeit überhaupt nicht so sehen kann.

Für den Betroffenen gibt es ab jetzt nur noch eine Gewissheit: das Leben ist ihm zuwider, das Leben ekelt ihn an. Von Tag zu Tag begreift er mehr, wie seine ehemals bewährten Strategien, Probleme und Konflikte zu lösen, plötzlich nutzlos, plötzlich untauglich geworden sind. Für ihn verliert alles seinen Sinn. Selbst Dinge, an denen er zuvor noch mit Leib und Seele hing.

Und mit der Gewissheit wächst auch der Zweifel am Sinn des Lebens überhaupt. Da wird die Zukunft zu einem schwarzen Loch, an dessen Rand er nun steht und in das er hineinzufallen droht. Ja, manchmal hat dieser Abgrund, dieses Loch sogar etwas Anziehendes. Es übt auf ihn so einen Sog aus, dass er sich am liebsten hineinstürzen möchte. Wie ein Selbstmörder, der nur noch im Tod die Erlösung von seinem Leiden sieht.

Es ist so wichtig, nach vorne zu schauen

Daher ist es so wichtig nach vorne zu schauen. Daher ist es so notwendig den Hauptakzent nicht auf die Frage zu legen: Wie bin ich in die Katastrophe hineingeschlittert, sondern zu überlegen: Wie komme ich da wieder heraus? Möglichst gestärkt und erfolgreich. Was für einen Sinn hat die Krise überhaupt?Was will sie in Gang bringen, was ohne sie nie hätte stattfinden können?

Schon allein die Frage nach dem Sinn ist in die Zukunft gerichtet. Denn der Sinn einer Sache ist das, was sich aus ihr entwickelt und das zeigt sich immer erst in der Zukunft. Diese Blickrichtung macht uns frei von der Ansicht, nur ein Opfer zu sein. Sie bringt uns auch davon weg, wie gelähmt in der Krise zu verharren oder das Problem zu hegen, indem man die Schuld den anderen in die Schuhe schiebt. Sie macht es uns auch unmöglich, uns im Selbstmitleid zu baden oder zu grübeln, wie es überhaupt so weit kommen konnte.

Die Frage nach dem Sinn macht den Weg frei, um sich als Handelnder aktiv aus dem Tal der Tränen, aus dem Tal der Irrungen und Enttäuschungen herauszuarbeiten. Mit ihr muss man nicht mehr die Krise passiv erleiden, sondern man kann sein Leben jetzt wieder in die Hand nehmen und eine bessere Zukunft gestalten.

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