Midlife Krise, so kommen Sie raus

Der Schatten

Unser so genannter Schatten besteht aus allen Eigenschaften oder Charakterschwächen, die wir an uns nicht wahrhaben wollen: Aggression, Geiz, Intoleranz, Rücksichtslosigkeit, Neid und alle anderen negativen Eigenschaften und Gewohnheiten. Da wir sie nicht mögen, verdrängen wir sie, solange und so gut es eben geht. Beobachten wir sie jedoch an anderen, an unseren Kollegen, Freunden oder am Partner, dann schrillen bei uns sofort sämtliche Alarmglocken. Wir fangen an diese Eigenschaften zu bekämpfen, indem wir an den Kollegen herummeckern, den Freunden Moralpredigten halten oder uns einfach über so viel Primitivität des Partners erschüttert zeigen.

So kann man sich zum Beispiel über die Intoleranz in der Welt maßlos aufregen und mit dem nächsten Atemzug an jeder Kleinigkeit bei der Freundin herummeckern und sich gleichzeitig einbilden, das toleranteste Wesen auf Gottes Erdboden zu sein. So verdreht das ist, so schnell kann es aber zur Gewohnheit werden. Eine Gewohnheit, die sich einschleicht und unbemerkt auswirkt. Bleibt sie in Zukunft auch unbemerkt, wird sie sich aufblähen und immer mehr Macht über den Betroffenen gewinnen, bis er unbewusst zum Sklaven seiner schlechten Gewohnheiten, zum Sklaven seines eigenen Schattens wird.

Midlife-Crisis

Zu einer sehr dramatischen Erfahrung kann der Schatten in der Lebensmitte (35-42 Jahren) werden. Aus dem Unterbewussten drängt er sich dann als “Gefühl des nagenden Zweifels” in unser Bewusstsein. Fragen wie “ist das alles?”, “wie soll ich diese Monotonie auf der Arbeit noch 20 Jahre aushalten?” oder “was soll ich überhaupt in diesem Leben?”, fangen an, uns den Schlaf zu rauben.

Tagsüber ist es natürlich auch nicht besser, denn Gedanken , wie: “wenn ich nicht immer nur Idioten als Chef hätte, könnte ich ja noch Karriere machen”, oder “warum musste ich ausgerechnet den falschen Partner heiraten?” oder “wenn ich bloß diesen Klotz von Familie nicht am Bein hätte, könnte ich noch mal ganz von vorne anfangen”, begleiten uns von nun an auf Schritt und Tritt.

 

Midlife-Crisis ist die Krise, die von innen kommt

Alles, was wir bis jetzt in unserem Leben versäumten, welche Möglichkeiten wir verpasst und welche Talente wir nicht gefördert haben, wird uns jetzt auf einmal in erschreckender Deutlichkeit bewusst. All diese ungenutzten Chancen und Versäumnisse sind nun fester Bestandteil unseres Schattens.

Der Schatten war natürlich schon immer da, nur ab der Lebensmitte wird er uns erst richtig bewusst, und zwar so bewusst, dass er uns von jetzt an wie ein Alptraum verfolgen wird. Das ist die Midlife-Crisis, die Begegnung mit einem Stück unseres eigenen Schattens. Es ist eine Krise, eine Krise, die von innen kommt und Monate, ja Jahre dauern kann.

Besonders schwer wird sie für diejenigen von uns, die im Menschen nicht mehr als einen nackten Affen sehen, für diejenigen, die nicht an ihre geistigen Fähigkeiten glauben, welche erst im letzten Lebensdrittel den Höhepunkt erreichen werden. Denn sie haben als Zukunftsperspektive nur den körperlichen Verfall. Sie stehen vor dem Nichts und müssen es zur Kenntnis nehmen.

Da ihnen aber der Zweifel und das Versagen wie ein Gespenst im Nacken sitzt, werden sie anfangen dieses Unbehagen loszuwerden, es zu verdrängen: mit Alkohol, mit Medikamenten oder im Erlebnisrausch. Die gähnende Leere in ihrem Inneren werden sie mit Konsum aufzufüllen versuchen. Da muss dann eine neue Inneneinrichtung her, da tauscht man das Auto gegen eine sündhaft teure Limousine und verbringt den Urlaub nur noch am anderen Ende der Erdkugel, weil man hofft, diesen bedrückenden Gefühlen dort zu entkommen.

“In-Sein” ist alles, und das mit einem Luxus, den man sich früher nie leisten konnte. Dafür muss man den öden Alltag schon mal mit einer jungen Geliebten aufpeppen, sich liften lassen oder mit 40 demonstrativ noch einmal schwanger werden. Einfach alles das übertreffen, was man bis jetzt hatte oder zumindest das, was einem der Nachbar oder Kollege bis anhin vorlebte.

 

Verdrängen kann man die Midlife-Crisis, loswerden nicht

Verdrängen kann man die Midlife-Crisis, loswerden nicht. Denn die Angst sinkt ins Unterbewusste und lauert dort als ständige Gefahr. Findet man keine neue Herausforderung und verfolgt keine geistigen Ziele, wie eine Wissenschaft, eine Kunst oder Religion, dann gewinnt die Biologie die Oberhand. Es kann dann zu Alterserscheinungen wie zu hohem Blutdruck, frühzeitiger Vergreisung und äußerlichem Verfall kommen.

In den „Fünfziger-Jahren“ wird man so wohl zum frustrierten Tyrannen und bringt in seiner Umgebung auch nur wieder frustrierte Tyrannen hervor. Da kann man dann allen die Schuld geben, dem Partner, dem Betrieb, dem Leben. Doch man hat sich alles nur selber eingebrockt. Man hat einmal eine Wahl getroffen, jetzt zeigen sich halt nur die Folgen.

 

Noch einmal den Karren herumreißen

Will man nun aber den Karren noch einmal herumreißen und die versäumte Entwicklungsmöglichkeit der vierziger Jahre nachholen, dann geht das natürlich immer. Als erstes müssen wir lernen, dem Leben wieder eine positive Seite abzugewinnen. Das können wir mit Sicherheit nicht mehr, denn sonst wären wir nicht so frustriert.

Ein Tag bietet mehr als ein Schwarzseher uns das weismachen will. Wenn wir unseren Blick immer nur auf das Dunkle und Negative in der Welt richten, wird das zur Sucht. Mit der Zeit sind wir dann gar nicht mehr in der Lage, irgendetwas Gutes oder Schönes zu erkennen. Negatives zieht nämlich immer nur wieder Negatives an. Das ist ein Gesetz. Wir können es als lächerlich abtun, doch das ändert nichts an seiner Wirksamkeit.

 

Räumen wir lieber der ganzen Schlechtigkeit auf dieser Welt einen berechtigten Platz ein, und schreiben fünf Minuten lang am Tag alles auf, was uns stört. Wir wollen ja nicht zum kritiklosen Schwärmer mutieren. Jammern und schimpfen wir, was das Zeug hält und legen es dann in die Schublade. Doch hören wir ein für alle Mal damit auf, es von morgens bis abends – ob nun in Gedanken oder für jeden hörbar – wie ein Rosenkranz herunterzubeten. Solche negativen Gedankengänge sind eine Abwärtsspirale!

Sie führen zu nichts und schaden nur, am meisten uns selbst. Legen wir uns ferner ein kleines Schulheft oder Notizbuch zu, in das wir jeden Abend mindestens ein schönes Ereignis aufschreiben. Zum Beispiel: der Nachbar hat gegrüßt, der Kollege hielt mir die Tür auf oder ich habe für einen Augenblick die Sonne gesehen. Kleben wir manchmal etwas dazu, ein gepresstes Blatt, ein Bildchen aus der Zeitschrift oder ein Foto vom Lieblingstier. Irgendetwas, das unsere Fantasie zu etwas Schönem anregt.

 

Sagen wir uns öfter mal: “Was soll’s”

Dann notieren wir alle die Situationen des Tages, über die wir uns nicht mehr wie früher aufregten. Denn ab heute sollten wir auch anfangen Gelassenheit zu üben, immer und überall. Beispielsweise: Der Kollege hat mich provoziert, bin aber nicht darauf reingefallen, blieb ganz cool. Oder: Ein Fremder hat auf meinen Parkplatz gestanden, habe mich aber nicht aufgeregt. Gelassener zu werden bedeutet nämlich, unwichtige Dinge im Leben nicht mehr so wichtig zu nehmen. Sagen wir uns also öfter mal während des Tages: “was soll’s“, wenn wir in Situationen geraten, die uns normalerweise auf die Palme bringen.

So tun wir nicht nur für unsere Gesundheit etwas Gutes, sondern auch für unsere Seelenruhe. Fühlen wir uns einfach zwischendurch als Adler, der fernab von allem Gewühle in den Lüften seine Kreise zieht. Es gibt überall kleinmütige und streitsüchtige Zeitgenossen, aber wir müssen ja nicht unbedingt dazugehören.

Wer solche Übungen lästig oder blöd findet, den kann ich beruhigen. Übungen sind grundsätzlich lästig und immer blöd, das liegt in ihrer Natur. Denken wir nur einmal an die Übungen einer Balletttänzerin. Mit Tanz haben die so gut wie gar nichts zu tun, doch wer wollte eine Ballerina sehen, die keine macht? So ist es auch mit dem Aufschreiben. Es hat mit dem eigentlichen Leben nicht viel zu tun, doch es bringt den Entwicklungsprozess wieder in Gang. Und das ist das Einzige worauf es ankommt.

 

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