„Mein Mann, das Theater und ich“ Leseprobe

San Antonio, Texas
Wie flammende Schwerter schwamm das Licht der smaragdgrünen und rubinroten Uferbeleuchtung auf dem tiefblauen Wasser. Von den dunklen Ästen der Bäume hingen unzählige Lichterketten, wie feinste goldglänzende Tautropfen hinab und warfen ihr schummriges Licht auf die farbenfrohen aufgespannten Schirme, die sich dutzendweise auf der schmalen Uferpromenade zum Candle-Light-Dinner drängelten.

Ich ging über eine der bogenförmig geschwungenen Steinbrücken, schlenderte über die Felsplatten und setzte mich an eines dieser kleinen Tischchen, um etwas zum Essen zu bestellen. Kurz entschlossen orderte ich Tex-Mex-Food, etwas Einheimisches. Doch was man gewöhnlich in Amerika alles so hinter vorgehaltener Hand als Geheimtipp einer besonders lukullischen Spezialität auszutauschen pflegt, wird für einen dummen Deutschen, wie mich, zur Feuerprobe.

Denn während Anhänger von diesen Speisen noch den Verstand darüber verlieren, wo, wie und mit welchen Zutaten man das beste Essen kocht, befand ich mich bereits nach dem ersten Bissen im Vorhof der Hölle und versuchte verzweifelt, das Inferno in meiner Kehle zu löschen. Da halfen weder die aus Maismehl gebackenen, dampfenden, Tortillas, weder Bohnen, noch Reis. Denn über die Tacos, die sich dünn wie Pappkarton und ähnlich schmackhaft um eine Füllung aus Käse, Gemüse und Hackfleisch klammerten, hatte ich mit der Naivität eines Unkundigen ziemlich
großzügig Pepperonisauce “picante” gegossen.

So glich jeder Bissen des Teufels glühenden Kohlen, und keiner dieser dunkelhäutigen, gazellenartigen Kellner schien mir schnell genug, um die entsprechenden Mengen von Eistee anzuschleppen, mit denen ich das Satanszeug hinunterspülen konnte. Am Ende der Höllenfahrt endlich besänftigte ich meinen geschundenen Gaumen mit ein paar Kugeln Fruchteis und einem Kaffee, der sich vortrefflich als Unkrautvernichtungsmittel geeignet hätte.

Maria, die weise Kräuterfrau
Langsam stieg die Sichel des Mondes hoch über die Stadt und begleitete mich entlang dem River Walk über das schmale Ufergässchen mit seinen hohen Zypressen, Pappeln und Fächerpalmen, vorbei an arkadenverzierten Häuserfassaden, Galerien, Läden und Nachtbars. Ein chalupa-Boot mit Mariachi-Musikern zog vorüber. Doch ich dachte nur an Maria, an curandera Maria, die betagte Kräuterfrau mit ihren feinsinnigen Gesichtszügen, ihrem silberweißen Haar und dem betäubenden Duft ihrer zahllosen Gläsern von Blüten und Essenzen. Man erzählte sich, sie solle nicht nur heilende Hände haben, sondern auch hellsichtig sein und künftige Ereignisse voraussehen können.
Und tatsächlich, als ich sie heute Nachmittag weit draußen von San Antonio in ihrem alabasterfarbenen Häuschen besuchte, erzählte sie mir von Gnomen, Sylphen und Elfen, die sich an ihrem kleinen Bach in ihrem Kräutergarten tummelten.

Zuerst war ich skeptisch, weil mir bei ihren merkwürdigen Schilderungen fortwährend unangenehme Schauer den Rücken hinunterglitten. Doch als ich in der Abendsonne, deren Licht sich bereits wie ein Dieb unter Tisch und Stühle schlich, die alten Bücher und Schriften betrachtete, die irgendwelchen Blumentöpfen und Kerzenständern den Platz auf den Regalen streitig machten, war ich plötzlich wild entschlossen, alle ihre wundersamen Geheimnisse kennen zu lernen.

Am nächsten Morgen fuhr ich mit dem Rover gleich zu ihr hinaus und fand sie in der Küche an ihrem holzbefeuerten Eisenherd, auf dem sie in einer großen Stielpfanne ein blutorangefarbenes Chili brutzelte. Sie empfing mich mit dem sanftesten Lächeln inmitten einer beißend aromatischen Wolke, bei dessen Geruch angeblich ein echter Anhänger zuerst der Ekstase, dann der Sucht verfällt, das bei mir jedoch das traumatische Ereignis vom Vorabend wach rief und mich zur Flucht animierte. Ich wankte, lächelte krampfhaft, blinzelte mit den Augen und machte ein paar Schritte zur Seite. Schließlich erholte ich mich in dem nostalgischen Zauber dieser Küche, während sie mir erzählte, dass sie das Hot Chili für die Hochzeitsfeier ihrer Nichte bereitete.

Neben einer uralten Obstpresse standen Körbe mit Ananas, Mangos, Papayas, Orangen, Trauben, Bananen und grasgrünen Limonen, die offensichtlich darauf warteten, die Küche als Marmelade oder vitaminreicher Fruchtcocktail zu verlassen. In einer gläsernen Karaffe hatte Maria für mich bereits frisch gepressten Saft bereitgestellt, der sonnenreif und honigsüß alle Essenzen des Garten Eden zu vereinen schien.

Am Gebälk hingen zu Ristras geflochtene, stachelige Trauben von glänzenden feurig roten Chilischoten, dieser schlanken, zwanzig Zentimeter langen Strauchfrucht, die man zum Trocknen draußen aufhängt und zum Kochen dann einzeln abzupft. Daneben baumelten Zöpfe aus Zwiebeln, Knoblauch und goldgelben Maiskolben, Sträuße von Küchenkräutern, Kupferkessel, Pfannen und allerlei Küchengerät.
Maria erreichte zwar nicht, dass ich ihrer Teufelssauce stürmischen Beifall zollte, sie konnte mich aber mit ihrer warmherzigen Stimme von der heilenden Wirkung, des darin enthaltenen Capsaicins, bei Schuppenflechte, Hämorrhoiden, Kopf- und Magenschmerzen überzeugen. Trotzdem empfand ich es als eine Gnade Gottes, an keinem dieser Leiden zur Zeit ernsthaft erkrankt zu sein.

Als diese Brühe anscheinend genug gebrutzelt hatte, schob Maria sie zum Abkühlen neben den Herd, holte aus ihrer Kräuterkammer ein riesiges Bündel getrockneter Minze und setzte sich unter das dunkelgrüne Blätterdach in ihrer Laube. Während sie die Blätter von den Stängeln zupfte, erzählte sie mir zuerst von der Heilkraft dieser Pflanze, deren würzig frischer Duft uns in einer feinen Wolke umgab. Und dann enthüllte sie mir eins jener großen Geheimnisse, die alle Weisen des alten Indiens, Persiens, Ägyptens, Griechenlands und Nordeuropas stets vor dem profanen Volk in ihren Mysterien zu bewahren wussten.

Maria erzählt von den großen Geheimnissen
Erst wurde mir heiß, dann kalt, dann war ich wie hypnotisiert als sie schilderte, wie wir Menschen vor Millionen und Abermillionen von Jahren, als Wärmehauch durch die unendlichen Weiten eines ätherisch feinen Himmelskörpers schwebten, der damals noch aus der heutigen Sonne, dem Mond und der Erde bestand. Wie dieser Himmelskörper sich dann innerhalb von Äonen immer mehr und mehr verdichtete und sich in “Sonne” und “Erde” trennte. Dass sich auch der “Mensch” von einem anfänglichen Wärmehauch immer mehr verdichtete und schließlich wie ein pflanzenhaftes Gebilde aussah und sozusagen als Fisch in den “Fluten” der Erde schwamm.

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Mein Mann, das Theater und ich“, ist eine romanhafte Darstellung einzelner Episoden aus meinem Leben, die mich veranlasst haben, das Coaching-Programm „12 Schritte zum persönlichen Glück“ zu schreiben.

Die einzelnen Themen wie Sex, Liebe, Treue, Fremdgehen, Abtreibung oder die Frage nach Dingen zwischen Himmel und Erde, die dem Verstand nicht logisch erscheinen, werden hier angerissen, weil sie ein Teil meines Alltags darstellten.

Da diese Themen Anlass meines Coaching-Programms waren, sollte man dieses E-book als humorvolle Einführung in die ganze Thematik der „12 Schritte zum persönlichen Glück“ betrachten.