Liebe oder verliebt?

Von unseren Taten aus Liebe haben wir nichts

(Fortsetzung von „Ist das jetzt Erotik, Sex oder doch Liebe?“)

Nun hat es aber mit allem, was wir aus Liebe tun, noch etwas Besonderes auf sich. Man könnte doch annehmen, jedes Werk, das aus Liebe zu den Mitmenschen oder zur Natur vollbracht wird, würde den “Wohltäter” vollkommener machen. Man könnte doch davon ausgehen, dass wir durch unser “Liebeswerk” ein noch viel besserer Mensch werden und irgendwann dafür einen Lohn erhalten, und zwar so, wie es im umgekehrten Fall ja ist, dass jeder Verbrecher irgendwann seine Tat sühnen muss.

Dem ist aber leider nicht so. Von unserer “Liebestat” haben wir nämlich nichts, nur die Welt. Unsere Taten aus Liebe machen uns auch nicht besser, sondern sie sind eine Abschlagszahlung an unsere Vergangenheit. Jede Tat aus Liebe ist ein Stück Schulden bezahlen an unsere Entwicklung, und zwar an jene Vergangenheit, der wir unser Dasein Verdanken.

So hochentwickelt und so stark wie wir heute als Persönlichkeit sind, so hoch sind wir auch an unsere Vergangenheit verschuldet. Das heißt, alles, was wir je an Liebe aufbringen können, ist nur Schulden bezahlen für unser Dasein. Und je höher wir uns entwickelt haben, je stärker wächst in uns auch der Impuls, etwas aus Liebe zu tun. Daher ist es weise durch Taten aus Liebe, Schulden zu bezahlen.

 

Warum es so wenig wahre Liebe auf der Welt gibt

Im Tagesbewusstsein wissen wir ja von solchen Weisheiten nichts. Zum Glück, sonst wäre unser Egoismus vermutlich noch viel größer. Aber im Unterbewusstsein, in den Regionen des Instinkts, da wissen wir doch sehr genau, dass wir von unserem Liebeswerk in Zukunft nichts haben werden und, dass wir uns durch sie auch nicht zu einem vollkommeneren Menschen machen können.

Deshalb gibt es so wenig wahre Liebe auf derWelt. Daher ist sich jeder lieber selbst der nächste. Nur ein Mensch, der in seiner moralischen Entwicklung weit vorangeschritten ist, findet gefallen an Handlungen aus Liebe, an Handlungen von denen er selbst nichts hat.

Je mehr wir jedoch Liebe in Wort und Tat der Welt zukommen lassen, je mehr gesundet und gedeiht die Welt. Liebe ist wie eine Sonne für Mensch und Tier, sie ist Licht und wärmendes Feuer zugleich. Ja, Liebe ist überhaupt die moralische Sonne der Welt.

 

Liebe ist von Sympathie und Antipathie unabhängig

Wahre Liebe ist weder der Verminderung noch der Vermehrung fähig. Ich kann zum Beispiel jemanden nicht weniger lieben, nur weil er arm oder hässlich ist, sonst ist es keine wahre Liebe. Sonst ist es Sympathie oder Antipathie.

Doch wahre Liebe ist von solchen Gefühlen unabhängig. Sie ist rein geistiger Natur und stets erhaben über Gefühle von Sympathie oder Antipathie. Daher braucht sie auch den Körper nicht. Man kann einen Menschen lieben, ohne ihn zu streicheln und ohne je mit ihm Sex zu haben. Und man kann jemanden noch lieben, wenn er bereits gestorben ist, denn wahre Liebe hört nie auf.

Hört sie auf, dann war es nur eine Verliebtheit, die Laune einer erotischen Phase, die einen nun plötzlich keine Attraktion oder keinen Vorteil mehr verspricht. Jemanden wirklich lieben heißt, ihn trotz seiner Fehler und Mängel zu lieben, heißt an ihm seine Vorzüge zu sehen und an sein Gutes zu glauben. Jemanden wirklich zu lieben bedeutet auch, sich auch nach Jahren der Ernüchterung immer wieder neu in ihn verlieben zu können.

 

Verliebtheit

Betrachten wir nun doch einmal das Phänomen der Verliebtheit, diese egoistische Liebe etwas genauer. Sie ist ja nicht falsch, sie ist lediglich etwas verrutscht und nicht dort, wo sie eigentlich hingehört und ihre Berechtigung hat.

Die Verliebtheit entzündet sich ja dann, wenn wir jemanden kennen lernen, der gewisse Eigenschaften oder Fähigkeiten hat, die auch in uns schlummern oder, die wir in dieser Vollkommenheit gern selber besäßen.

 

Man kann sich in das größte Ekel verlieben

Da kann man sich beispielsweise in das größte Ekel verlieben, sofern er einem nur ein luxuriöses Leben zu bieten hat. Oder man verliebt sich in einen Popstar, den man persönlich gar nicht kennt und sinkt dann vor lauter Entzückung bei seinem Konzert in Ohnmacht. Da gibt es alle Variationen.

Um uns unsterblich zu verlieben, müssen wir nicht einmal in die Glitzerwelt der Stars. Eine Lehrerin während der Schulzeit, der Nachbar mit seinem Charme oder der Chef genügen als “Objekt” und schon stehen wir in Flammen. Wir lieben nicht die Person, sondern wir lieben, weil deren Eigenschaften uns verzücken.Wir lieben, weil unsere eigenen Möglichkeiten und Eigenschaften sich dadurch befriedigt fühlen. Wir lieben um unsertwillen.
Lernen wir diese Menschen genauer kennen, dann kommt meist das große Erwachen und schlagartig ist das dann schon das Ende der Verliebtheit. Sicher kennen alle von uns jemanden, in den sie sich einmal verliebten und hinterher an Kopf fassten und fragten, wie das überhaupt möglich war.

 

Die egoistische Liebe muss es auch geben

Diese egoistische Liebe muss es aber auch geben. Denn alles, was uns der Sinneswelt entreißt, die Liebe zur Kunst, zur Philosophie, die Liebe zu den geistigen Tatsachen, zu Christus oder dem Schöpfer, die Liebe, welche als Drang oder Sehnsucht in uns lebt, muss natürlich um unsertwillen da sein.

Denn diese Liebe ist die Triebfeder, sie ist der Impuls, sich immer vollkommener zu machen und so viele Kräfte wie nur möglich, aus jenem geistigen Reich in uns aufzunehmen. Großartiges entsteht da, denken wir doch einmal an die griechischen oder chinesischen Tempelbauten, an die Gemälde von Raffael, an die Musik von Richard Wagner oder Beethoven, an die Dichter wie Goethe oder Schiller oder an solch erhabene Menschheitsführer wie Mahatma Gandhi (1869-1948).

 

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