Ist das Leben Zufall oder Schicksal?

Wer bin ich denn in Wirklichkeit

Der amerikanische Psychotherapeut Carl Rogers schreibt: “Wenn ich die Erfahrung vieler Klienten in der therapeutischen Beziehung, die wir für sie herzustellen uns bemühen,zugrunde lege, scheint mir, dass jeder die gleiche Frage stellt. Unterhalb der aktuellen Problemsituation, über die sich jeder einzelne beklagt – hinter der Schwierigkeit mit dem Studium, der Ehefrau, dem Arbeitgeber, dem eigenen unkontrollierbaren und bizarren Verhalten oder den eigenen beängstigenden Gefühlen – verbirgt sich eine zentrale Sehnsucht.

Mir scheint, dass letztlich jeder Mensch fragt: “Wer bin ich denn inWirklichkeit? Wie kann ich Kontakt mit dem wirklichen Selbst aufnehmen, das unter meinem ganzen oberflächlichen Verhalten liegt? Wie kann ich Ich werden?”

Die römische Kirche schafft den Genius per Dekret ab

Sosehr sich unser Schicksal durch unseren Genius erklären und verstehen lässt, so stark sind vielleicht manchmal auch die Zweifel an der Richtigkeit einer solchen Auffassung. Vor allem für uns Christen, da wir nicht, wie die östlichen Religionen an eine vorgeburtliche Existenz der Seele und an die Wiedergeburt ihres geistigen Teiles, des Genius, glauben. Das hat seine Wurzeln aber nicht im Christentum, sondern in der römisch-katholischen Kirche. Im Urchristentum, das heißt, bis im vierten Jahrhundert nach Christi lehrte und wusste man von diesen großen Geheimnissen und ihren Zusammenhängen.

Doch das wurde der römischen Kirche zu bunt. Denn als allein selig machende Instanz standen ihr solche Ansichten im Weg, und daher schaffte sie sie 553 n. Chr. im Konzil zu Konstantinopel kurzerhand ab: “Wer eine fabelhafte Präexistenz der Seele … lehrt, der sei verflucht.” Aber nicht nur die Präexistenz (vorgeburtliche Existenz) der Seele, sondern auch ihren geistigen Anteil, der Genius, wurde irgendwann per Beschluss abgeschafft, damit ihr, als alleinigeWächterin über Sitte und Moral, eine treue Herde von Gläubigen und Ablasszahlenden gewiss war.

Doch um das zu bleiben, musste sie dann die ganze Kultur mit folgender Grundansicht durchdringen: “… dass der Mensch im Wesen sündhaft ist, und dass sich seine sündhafte Natur nur durch etwas, was einem Wunder nahe kommt, negieren lässt.” (aus C. Rogers “Der Kern der Persönlichkeit ist etwas Positives“)

Das alles hatte für Jahrhunderte durchaus seine Berechtigung. Doch heutzutage, wo sich immer mehr und mehr Menschen aus ihrem “Herdendasein” lösen und sich zu Einzelpersönlichkeiten zu individualisieren beginnen, reicht eben ein Dogma von der Kirche nicht mehr aus. Moral lässt sich heute nicht mehr von der Kanzel herunter verordnen. Moral kann heute nur noch entstehen, wenn jemand etwas als Notwendigkeit einsieht und danach lebt.

Heute beeindrucke ich niemanden mehr, wenn ich ihm erkläre, er würde in der Hölle schmoren, wenn er sich scheiden ließe.Wenn ich ihm aber sage, er würde damit das Glück seiner Kinder zerstören, kann er das einsehen, daraufhin eine Ehetherapie machen und seine Ehe neu begründen.

Wir sind Suchende

Wir alle sind Suchende. Welcher Weg der richtige ist, das muss jeder für sich selbst herausfinden. Die Auffassung von einem geistigen Wesensteil in uns, der unser Schicksal mitgestaltet und uns führt, ist derjenige unserer “Großen Eingeweihten”. Nehmen wir sie als Gedankenrichtung an, wird sie uns helfen, unser Schicksal anzunehmen und seine Lebensrätsel zu lösen.

Auch gibt der Einblick in die großen Geheimnisse des Schicksals ein Vertrauen und eine Lebenssicherheit, die mit keiner finanziellen Absicherung erreicht werden kann. Jede Versicherung, sei es Krankheit-, Unfall- oder Haftpflicht- versicherung ist nur äußerlich, sie ist nur geborgt. Wahre Lebenssicherheit kann nur in uns selbst entstehen. Sehen wir unsere Schicksalsschläge nicht als Strafe, sondern als Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung, als Möglichkeit zur Individualisierung, dann sind wir auch bereit, uns stets auf Neues einzulassen.

Und aus dieser Wandlungsbereitschaft, aus dieser Fähigkeit das Alte wie ein Kokon abzustreifen und hinter sich zu lassen, wächst die wahre Lebenssicherheit, reift die tiefeÜberzeugung, alles Leid in etwas Positives umwandeln zu können. Je mehr nun eine Biographie, ein Lebenslauf von Brüchen, Übergängen oder einem Neubeginn gekennzeichnet ist, umso stärker können wir einen Willen zur Individualisierung, einen unbewussten Drang zur Heraussonderung des Einzelnen aus der Masse und dem Allgemeinen erkennen. Viele unserer heutigen Lebensläufe zeigen ja im Gegensatz zu früher diese Tendenz. Doch am deutlichsten tritt dies bei Künstlerbiographien hervor.

Die Entwicklungsgesetzte

Um einen Lebenslauf besser zu verstehen, hilft es die Entwicklungsgesetze, denen wir unterliegen zu betrachten. Es sind Zahlenrhythmen, eigentlich kosmische Gesetze, die sich in unserer körperlichen-, seelischenund geistigen Entwicklung widerspiegeln. Am bekanntesten ist wohl der Siebenerrhythmus, der schon 460 v. Chr. von dem griechischen Arzt Hippokrates beschrieben wurde.

Der Sieben-Jahre Rhythmus

Da haben wir etwa mit sieben Jahren den Zahnwechsel und kommen zur Schule, mit 14 Jahren werden wir geschlechtsreif, mit 21 hören wir auf zu wachsen. Bereits mit 28 beginnt schon wieder der physische Abbau, besonders der, des Gehirns. Zwischen dem 21. und 35. Lebensjahr liegt die seelische Entwicklung und von da ab beginnt dann bis ins hohe Alter die geistige Entwicklung, mit ihrem oft sehr dramatischen Auftakt der Midlife-Crisis zwischen dem 35. und 42. Jahr.

Der Mondknoten als Zeiten der Reinigung

Ein weiterer Rhythmus, der den Lebenslauf beeinflussen kann, ist der Mondknoten. Es ist der Schnittpunkt von Sonnenbahn und Mondbahn im Verhältnis zum Tierkreis. Alle 18 Jahre, 7 Monate und 9 Tage steht der Mondknoten wieder am selben Himmelsort wie zum Zeitpunkt der Geburt. Während dieser Zeit schimmern unsere Geburtsimpulse, die Lebensziele, wofür wir auf der Erde eigentlich angetreten sind, wieder durch. Daher kommt es um den 18., 37., 56. und 74. Geburtstag oft zu Krankheiten, Unfällen, Ortswechseln oder anderen Schicksalsschlägen. Es sind Zeiten der Reinigung von Überkommenem, Zeiten des Verzichts, der Trennung und des Abschieds von Menschen, von Interessen oder von Lebensgewohnheiten. Freundschaften gehen plötzlich auseinander, Projekte scheitern oder Beruf und Hobby werden einem über.

Fast immer kommt diese “Läuterung” als ein Schicksalsereignis von außen auf einen zu. Man wird Opfer, man leidet. Es gilt loszulassen, Abschied zu nehmen von Liebgewordenem, von Sicherheiten, oft sogar von einer ganzen Lebensepoche. In einer nächsten Phase kommt dann aber der innere Impuls, der Wille etwas Neues zu beginnen und in unerforschte Gewässer vorzustoßen.

Je nachdem, wie nah oder wie weit man sich von der Absicht seines Genius und seinen eigentlichen Lebensaufgaben bewegt, können diese Mondknoten entweder völlig unspektakulär und unbemerkt an einem vorüberziehen. Oder sie können eine so dramatische Form annehmen, dasssie uns einem Wirbelsturm gleich die gesamte Habe oder Existenz ruinieren.

Viele mögen derzeit gerade an ihrem Leben oder einem Schicksalsschlag verzweifeln. Sie erkennen weder einen Sinn darin, noch können sie einen Ausweg aus ihrer Tragödie sehen. Sie sind ohnmächtig gegenüber den Dingen und gegenüber sich selbst. Ihr Wille ist gelähmt, und deshalb fühlen sie sich auch von der Zukunft abgeschnitten. Für sie gibt es nur noch Vergangenheit, auf Grund derer vermutlich alles nur schlimmer werden kann.

Der Sinn einer Sache bezieht sich immer auf die Zukunft

Doch der Sinn einer Sache bezieht sich immer auf die Zukunft. Niemals lässt sich der Sinn eines Ereignisses sofort erkennen. Nur im Nachhinein kann man darauf zurückschauen und sehen, was daraus geworden ist, was sich daraus entwickelt hat.

Auf welch seltsamen und verschlungenen Wegen sich unsere Individualität begibt, um sich durchzuringen, um ihr Lebensziel zu erreichen, sieht man am besten, wenn man einen Lebenslauf betrachtet. Nichts ist tröstlicher als zu wissen, dass alles einen Sinn im Leben im Leben hat.

Beobachten wir es doch einfach mal an einer Biographie. Wie es beginnt, welche Richtung es einschlägt, wenn sich Hindernisse aufbauen und wie sich am Ende jedes Stolpersteinchen zu einem wunderbaren Bild zusammenfügt.

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