Ich werde in meiner Ehe immer unglücklicher

Frage:
Jetzt bin ich bald 20 Jahre verheiratet, aber ich werde immer unglücklicher. Abends möchte ich mit meinem Mann reden, über seine Arbeit und die Kinder oder ihm etwas erzählen.

Doch er lässt sich nur das Essen servieren und liest nebenbei die Zeitung. Wehe, man stört ihn, dann schreit er rum. Danach hockt er sich vor den Fernseher und hier darf man ihn erst recht nicht mehr ansprechen. Wir reden kaum noch miteinander und wenn doch, dann streiten wir. Wenn ich mich beklage, sagt er nur: “Du spinnst doch!” Im Bett ist es auch ziemlich still geworden. Ich bin so unglücklich und weiß nicht mehr weiter.
( Hanna 45)

Antwort:

Wenn Männer zu Ehe-Muffel werden

Sie glauben gar nicht, mit wie vielen Leidensgenossinnen Sie dieses entwürdigende Schauspiel “Ehe” teilen.
Sind die Männer nicht mehr verliebt, entpuppen sie sich oft zu wahren Ehe-Muffel. Ihrer Meinung nach, habe eine Ehe wie ein schweizer Uhrwerk zu funktionieren, ohne dass sie auch nur das Geringste dafür tun müssen.

Sie verwechseln die Ehe mit der Verliebtheit, in der ja wirklich alles alleine läuft. Doch Verliebtheit dauert höchstens drei Jahre und spätestens dann wäre Eheführung, das heißt Arbeit an der Beziehung angesagt. Denn eine “Ehe” passiert nicht von selbst. Sie ist nichts Natürliches, wie beispielsweise das Atmen. Sie ist eine Kulturtat wie die Musik, die Malerei oder die Architektur. Und, um so eine Kunst wie die Eheführung zu lernen, braucht es viel Disziplin, eine Menge Arbeit und nicht zuletzt auch einige Opfer.

Die Opfer in einer Ehe, die man bringen muss
Das sind Opfer, wie zum Beispiel das Aufgeben von Illusionen, von falschen Vorstellungen, die man sich einmal vor der Ehe gemacht hat.

So etwas wie: Der Partner wäre dazu da, einen glücklich zu machen, der Partner müsste auch nach der Zeit der Verliebtheit die Fehler und Schwächen von einem selber übersehen man könne die Stärken des Partners ausnützen und müsse sie sich selbst nicht erarbeiten.

Auch die Einstellung, die Ehe sei eine Bedürfnisbefriedigungsanstalt, in der einem der Partner alle Wünsche und Sehnsüchte zu erfüllen hat, in der man erwartet geliebt zu werden ohne etwas dafür tun zu müssen sowie man müsse alles gemeinsam machen und die gleichen Interessen wie der Partner haben, alles das muss aufgegeben werden.

Sie fühlen sich als „typisch Mann“ und als solcher perfekt
Wird nichts Positives für die Beziehung, für die Ehe getan, dann verwildert sie und entartet zum Kriegsschauplatz. Entweder man schweigt sich dann feindselig und vorwurfsvoll an oder man kritisiert den Partner und bricht bei jeder Gelegenheit einen Streit vom Zaun. Ein aufbauendes Gespräch, das Herzblut einer Beziehung oder eine nette Unterhaltung finden gar nicht mehr statt.

Männer neigen nun in dieser Phase dazu sich zurückzuziehen, sich abzuschotten, sich hinter der Zeitung oder vor dem Fernseher zu verbarrikadieren oder mit ihresgleichen in die Kneipe zu gehen. Hauptsache, man lässt sie in Ruhe. Hauptsache, man “belästigt” sie nicht mit irgendwelchem “Weiberkram”, der sie sowieso nicht interessiert. Schließlich arbeiten sie hart genug, um die Familie durchzubringen und eine Kritik an ihrem Verhalten ist nach ihrer Auffassung daher vollkommen unangebracht.

Sie fühlen sich als “typisch Mann” und als solcher perfekt. Warum in aller Welt sollten sie da etwas ändern oder hinzufügen, das wäre doch verrückt?

Die Frauen jedoch, die hauptsächlich von der Beziehung, der Unterhaltung und den zwischenmenschlichen Dingen leben, werden über soviel Gleichgültigkeit und Zurückweisung irre. Sie verkümmern, verdorren seelisch und wollen daher auch keinen Sex mehr mit ihrem Mann.

Ändern kann man nur sich selbst

So sehr Sie auch unter dem Verhalten Ihres Mannes leiden mögen, so wenig werden Sie es durch Kritik an ihm ändern können. Ändern kann man als Erwachsener nur sich selbst, niemals einen anderen Menschen. Auch, wenn das noch so oft probiert wird. Ändern kann man sich aber auch selbst nur, wenn man es einsieht und dann danach handelt.

Dazu braucht man jedoch einen gewissen Freiraum Kritik, und sei sie auch noch so berechtigt, engt den anderen aber immer ein.
Wird er kritisiert, hat er unterschwellig das Gefühl, er müsse seine eigene Persönlichkeit dem anderen zuliebe aufgeben. Er müsse sich ändern, nur weil der andere es will.

Das geht nicht gut. Das kann und will auf Dauer niemand. Schon gar nicht ein Mann, der sich von Natur aus für perfekt hält und jede Veränderung wie der Teufel das Weihwasser scheut. Er wird beim kleinsten “Druck” auf stur stellen, die unangenehmen Situationen versuchen auszusitzen und nötigenfalls mit Aggression reagieren, um sein Ziel: “Sich nicht ändern zu müssen” auf jeden Fall zu erreichen.

Von einem eheunfähigen Partner kann man sich nur trennen oder ihn halt so nehmen wie er ist und ihn trotzdem lieben lernen. Das Letztere ist zwar der lohnenswertere, aber auch der dornenreichere und längere Weg.

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